Zugspitz Supertrail 2016: (K)ein Laufbericht.

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Ihr kennt diese guten Berichte, die einen Lauf detailliert beschreiben? Wie die Streckenführung war. Wie das Wetter war. Welche Verpflegung es an welchem VP gab. Welche Herausforderungen bei welcher Kilometermarke warteten. Welches Equipment sich bewährt hat. Ihr kennt diese Berichte, die ich so gerne und immer wieder lese, bevor ich eine Strecke zum ersten Mal in Angriff nehme?

Dieser Text ist keiner dieser Berichte.

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Denn wahrscheinlich bin ich immer noch zu sehr euphorisiert, um mich auf schnöde Fakten zu konzentrieren. Schließlich bin ich am Samstag weiter, höher und länger gelaufen als bisher in meinem doch recht langen Läuferleben. Ich bin durch Schneefelder geschlittert, habe meine Schuhe beinahe im Matsch verloren, stand bei strahlendem Sonnenschein im Regen am VP8 und aß Kuchen, wurde 50 Meter von einer Fledermaus begleitet, stakste durch knöcheltiefes kristallklares Bergwasser und konnte die letzten zwei Kilometer durch Grainau laufen. Flott laufen. Nach zehneinhalb Stunden und 61 Kilometern! Fuck, yeah!

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Obwohl ich seit 2005 laufe und bereits 2007 meinen ersten Marathon absolviert habe, kommt es mir vor, als hätte ich dieses Jahr erst so richtig mit Laufen begonnen. Der UTLW und jetzt der Supertrail haben meinen Fokus komplett verschoben. Wenn ich den ganzen Tag in der Natur unterwegs bin, gibt es nur mich und die Strecke. Sonst nichts. Keine blödsinnigen selbst gesteckten Zeitvorgaben, keine drängelnden Mitläufer, keine Gehetze, keine Ampeln, keine Autos. Es geht nur um mich und die Herausforderung, die die Natur mir in den Weg stellt. Da vorne ist der Berg. Ich bin unten und will da hoch. Egal wie lange es dauert und wie anstrengend es ist. Es ist so einfach. Es ist so schwierig.

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Es hat fast schon was Meditatives, wie sich mein Kopf dann leert und ich in der Lage bin, trotz aller Strapazen die Natur zu genießen. Viele Dinge, die mich sonst beschäftigen, kommen mir auf einmal völlig banal vor. Als meine Uhr am Sonntag zehn Kilometer vor dem Ziel schlapp machte, ärgerte mich das nicht mal. Zu dem Zeitpunkt stand ich gerade oben auf der Alpspitze, blickte ins Tal auf die Modelleisenbahn-Landschaft und wusste: Ich habe es geschafft. Verdammt, ich habe es tatsächlich geschafft! Kraft und Kondition haben gereicht und der Kopf hat auch mitgespielt. Ich wusste aber auch, dass der Weg runter nach Grainau kein Vergnügen werden würde und deswegen habe ich mir einfach Zeit gelassen. Um nichts in der Welt wollte ich mir das Finish nehmen lassen, schon gar nicht von einem blöden Sturz.

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Ja, der Zugspitz Supertrail war eine riesige Herausforderung, die mir alles abverlangt hat. Aber ich weiß nicht, ob ich sagen kann, dass sie mich an meine Grenzen gebracht hat. Denn der Gedanke, das Rennen vorzeitig zu beenden, kam mir überhaupt nie in den Sinn. Und die Cut-off Zeiten waren auch nie ein Thema. Im Gegenteil: Mit Erschrecken habe ich festgestellt, dass es gerade diese nicht enden wollenden Anstiege wie auf das Scharnitzjoch und die Alpspitze sind, die mir liegen. Ein Fuß vor den anderen, Stock links, Stock rechts, immer weiter, immer höher. Sowas kann ich. Vielleicht sogar etwas besser als andere. Die sammeln mich dann bergab sowieso wieder ein. Was ich auch festgestellt habe: Ich laufe am liebsten alleine. Natürlich gibt es überhaupt nichts gegen ein nettes Gespräch auf der Strecke einzuwenden und hin und wieder tut es auch gut, einen Anstieg gemeinsam anzugehen. Aber am schönsten war es auch in den Alpen für mich, wenn niemand in der Nähe war. Wie oben geschrieben: Es geht eben nur um mich. Da geht soweit, dass ich die gesamte Zeit ohne Musik gelaufen bin. Und ich laufe im Training nie ohne Musik.

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Als ich ins Ziel kam, war ich unfassbar stolz und ziemlich gerührt. Und wer mich kennt, wird bestätigen, dass ich eigentlich nie gerührt bin. Aber ich glaube, ich war selten so kurz davor, feuchte Augen zu bekommen wie auf den letzten zwei Kilometern durch Grainau. Alle jubelten mir zu. Nicht nur die Einheimischen und die Kinder, die ihre Hände zum Abklatschen hinhielten. Sondern auch schnellere Läufer, die sich ihre Medaille schon abgeholt hatte. Die genau wussten, was hinter mir lag. Und auch sie jubelten mir zu, feuerten mich an, beglückwünschten mich. Nicht von oben herab, weil sie schneller gewesen waren, sondern voller Anerkennung und Respekt. Gesichter, die ich den ganzen Tag über immer wieder auf der Strecke gesehen hatte, lächelten mich an. Läufer, mit denen ich den ganzen Tag über kein Wort gewechselt hatte, beglückwünschten mich im Ziel mit Handschlag. That’s the spirit. Auf der Strecke und auch davor und danach. Überhaupt war ich auch in diesem Jahr von der Stimmung in Grainau begeistert: Die Kombination aus internationalem Flair mit Startern aus der ganzen Welt in teuren Funktionsklamotten und der bayerischen Bierzelt-Zünftigkeit gefällt mir einfach. Umso schöner war es, auch in diesem Jahr wieder einige Läufer zu treffen, mit denen ich sonst nur per Twitter kommuniziere.

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Letztes Jahr konnte ein Video von Michael Arend
machen, als er als Sieger des Ultratrails ins Ziel kam. Dieses Jahr hatte ich unsere Unterkunft möglichst nah am Zielbereich gebucht, weil ich auch sehen wollte, wie Läufer mitten in der Nacht oder sogar erst am Sonntag Morgen ins Ziel kommen. 

Und so standen wir am Sonntag um kurz nach 9:00 im Zielbereich und applaudierten den Läufern, die im strömenden Regen als letzte die Ziellinie überquerten. Da war das Trio, das sein Finish mit einer Bierdusche feierte. Und der Holländer, der sich erstmal eine Zigarette drehte, nachdem er 26 Stunden in den Alpen war. Sechs-und-zwanzig Stunden!

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Und so verschieben sich die Perspektiven erneut. Letztes Jahr hielt ich es nach dem Basetrail XL nach 31 Kilometern und gut vier Stunden für undenkbar, die doppelte Distanz zu laufen. Nach knapp 63 Kilometern und 10:41 Stunden frage ich mich jetzt, wie zum Teufel man da noch 38 Kilometer dranhängen und den letzten Teil der Strecke im Dunkeln bewältigen kann. Vielleicht versuche ich irgendwann, das herauszufinden.

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Achja: Den 5.000 Zeichen langen Text, den ich geschrieben und wieder verworfen habe, veröffentliche ich eventuell später. Das ist nämlich einer dieser guten Berichte, die einen Lauf detailliert beschreiben und auf den ganzen philosophischen Mist verzichten.

Wer den Zugspitz Ultratrail noch aus anderen Perspektiven erleben möchte, sollte sich auf jeden Fall Flos kritischen Schnaufcast anhören, Stephans Video ansehen und Katrins Bericht (leider ohne Happy End) lesen.

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Ich fahre zum ZUT und nehme mit …

In weniger als 24 Stunden geht es ab nach Grainau und in weniger als 48 Stunden erfolgt der Startschuss zum Supertrail in Leutasch. Höchste Zeit also, die Pflichtausrüstung zu richten. Und die ist für den Zugspitz Ultratrail durchaus üppig. Von der offiziellen Website der Veranstaltung:

  • Trailrunning-Schuhe mit Profilsohle, die für das Laufen im alpinen Gelände geeignet sind
  • Laufrucksack
  • Regenbekleidung Überbekleidung als Regenschutz (mind. wasserdichte Regenjacke)
  • Warme Kleidung (Oberteil und lange Hose bzw. Beinlinge) als isolierende Zwischenschicht unter der Überbekleidung (für schlechte Witterung, die im Hochgebirge überraschend einsetzen kann) Hier gilt die Grundregel, dass keine Haut sichtbar sein darf!
  • Handschuhe und Mütze
    Funktionstüchtige Stirnlampe mit Ersatzbatterien oder –akku (gilt nicht für BASETRAIL XL und BASETRAIL)
  • Beschriftung der mitgeführten Lebensmittel-Verpackungen mittels Startnummer
  • Becher zur Aufnahme der Getränke an den Verpflegungsstellen
    Wasserbehälter mit mindestens 1,5 Liter (BASETRAIL XL und BASETRAIL 1 Liter) Fassungsvermögen
  • Notfallausrüstung (1x Kompresse 10×10, 2x Verbandspäckchen, 2x Handschuhe, 1x Dreieckstuch, 4x Wundpflaster, Notfallpfeife, Blasenpflaster, Rettungsdecke)
  • Navigationsuhr mit eingespeichertem GPS-Track der gewählten Strecke oder alternativ detaillierte Streckenkarten in gedruckter Version (Ausgabe in der Registrierung)
  • Mobiltelefon mit eingespeicherter MEDICAL CREW-Nummer zum Absetzen von Notrufen (es muss sichergestellt sein, dass das Handy auch im Ausland Anrufe tätigen kann)
  • Empfohlen wird außerdem u.a.: Teleskopstöcke, Sonnencreme, Fettcreme gegen Wundscheuern, eigene persönliche Verpflegung, zusätzliche Blasenpflaster.

Natürlich gilt „Safety first“ und man muss sich auf alle Eventualitäten einstellten, wenn man je nach Strecke 5 bis 20 Stunden in den Alpen unterwegs ist. Aber dennoch ist es eine ganze Menge Zeug, das man mit sich schleppen muss.

War ich im letzten Jahr anfangs noch etwas überfordert mit dem Thema Pflichtausrüstung, muss ich dieses Jahr nicht viel ändern. Die Stirnlampe mit Ersatzbatterien kommt hinzu und statt 1 Liter muss ich nun 1,5 Liter Fassungsvermögen habe. Also kommt eine (leere) Soft Flask mehr mir. Statt einer langen Hose wollte ich eigentlich Beinlinge mitnehmen (die roten im Bild), aber die entsprechen natürlich nicht der „No skin visible policy“ – mal sehen. Nicht im Bild ist der Faltbecher, der mitzuführen ist.

Und was man auf keinen Fall vergessen sollte (so wie ich im vergangenen Jahr): Ziploc-Beutel. Denn die ganzen langen Sachen bringen einem recht wenig, wenn sie nass sind bevor man sie anzieht. Und das Telefon hat es auch gerne trocken.

Wenn ich mir das ganze Zeug so angucke, wäre es wohl das beste, wenn ich mir in Grainau einen Sherpa suche.

Ein Laufschuh-Rant

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Heute wurde der Nachfolger der Suunto Ambit 3 vorgestellt – und alle drehen durch. Wobei „vorgestellt“ maßlos übertrieben ist. Denn eigentlich wurde nur veröffentlicht, dass die „Spartan“ ein Farb-Touch-Display haben wird, einen integrierten Activity-Tracker und nur noch drei statt fünf Knöpfe haben wird. Und dass sie einen Haufen Kohle kosten wird. Genauer gesagt 649 Euro aufwärts. Klar, das wird nicht der Straßenpreis sein und wahrscheinlich wird auch dieses Modell wieder in die günstigeren Linien „Sport“ und „Run“ diversifiziert. Aber irgendwie frage ich mich langsam schon, ob die Laufsportindustrie sich Apple als Vorbild nimmt – und das nicht nur bei den Uhren.

Als ich mir vor zehn Jahren nach einer guten Beratung meine ersten Laufschuhe kaufte, waren das die Glycerin 3 von Brooks. Kostenpunkt: 125 Euro und damit einer der teureren Schuhe im Regal. Mittlerweile ist man bei Modellreihe 14 angelangt und verlangt 170 Euro für den Schuh. Hundertsiebzig! Versteht mich nicht falsch: Der Glycerin ist bestimmt immer noch ein toller Schuh, aber er ist eben auch nichts besonderes. Zu etwas ganz besonderem wollte hingegen Asics seinen MetaRun machen: Lange Entwicklungszeit, Clutch-Counter-System, Memory Foam, Karbonfasern, AdaptTruss-Technologie und vieles mehr. Aber klar: Wenn du für die Schlappen 250 Euro haben willst, musst du dir im Marketing schon etwas einfallen lassen. Dagegen ist der Lunar Epic Flyknit von Nike ja fast schon ein Schnäppchen. Er kostet „nur“ 180 Euro, wird aber immerhin von Arne Gabius getragen.

Natürlich: Alles wird immer teurer und früher war alles besser. Dennoch habe ich das Gefühl, dass einige Hersteller gemerkt haben, dass sie ihrer Kundschaft problemlos noch ein paar Euros mehr aus dem Portemonnaie ziehen können. Der Läufer hat’s ja und investiert gerne etwa mehr in die Gesundheit. Dass die Hersteller an der Preisschraube drehen, ist also verständlich. Dass wir es mitmachen, unser Problem. Aber ich frage mich immer wieder ernsthaft: Wer kauft sich so teure Schuhe, obwohl er weiß, dass sie nicht länger halten als günstigere Modelle und einen vermutlich auch nicht schneller machen? Oder werden hier die Einsteiger geschröpft? Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal mehr als 100 Euro für ein Paar Laufschuhe ausgegeben habe.

Im letzten Jahr suchte ich nach einer Regenjacke für den Zugspitz Basetrail XL und studierte die Tests im Trailmagazin. Dabei musste ich feststellen, dass es erst bei knapp 200 Euro losgeht. Aber dafür gehört eine Regenjacke auch zu denen Teilen des Equipments, die man im Idealfall nur einmal kauft. Als mittlerweile domestizierter Wahlschwabe habe ich dann trotzdem eine von Craft genommen, die „nur“ 100 Euro gekostet hat und mir bisher beste Dienste geleistet hat.

Aber zurück zu den Schuhen: Zum Glück ist das Preisgefüge gerade im Trailschuhsektor nach wie vor intakt. Klar: Wer rumrennen möchte wie Kilian Jornet, der muss für Salomons S-Lab Sense 5 Ultra SG auch 150 Euro hinlegen. Aber gute und bewährte Modelle wie den Sense Pro 2 bekommt man problemlos für einen zweistelligen Eurobetrag.

Und damit komme ich abschließend zu meiner aktuellen Lieblingsmarke. Jeder, der schon mal mit Schuhen von Inov-8 gelaufen ist, wird wohl bestätigen, dass die Briten tolle Trailschuhe machen. Das ist das beste an den Schuhen. Das zweitbeste ist der Preis:

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Nachdem mich also ein 70 Euro Schuh knapp neun Stunden über Stock und Stein begleitet hat, ohne dass ich auch nur die kleinsten Probleme hatte, frage ich mich: Warum soll ich für einen anderen Schuhe das Dreifache zahlen, obwohl er eigentlich nicht mehr besser sein kann?

Was ich damit sagen will: Laufschuhe müssen nicht 200 Euro kosten. Es gibt mittlerweile eine erfreulich große Auswahl in allen Bereichen. Nichts wäre schlimmer, als wenn zu teure Laufschuhe die Menschen davon abhalten, zu laufen.

Rant Ende.

Let’s go Bavaria: Urlaub im bayerischen Wald

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Yeah, Urlaubsbilder. Darauf habt Ihr bestimmt schon lange gewartet, oder? Für mich als Kind Nordrhein-Westfalens sind diese 14 Tage Pfingstferien in Baden Württemberg nach wie vor befremdlich, aber natürlich ist die Zeit Ende Mai die perfekte Gelegenheit, in der Nebensaison Urlaub zu machen und trotzdem die Chance auf (früh)sommerliches Wetter zu haben.

Ursprünglich hatten wir eine Woche Bauernhof-Urlaub in Wiesau geplant, einem Kaff in der Nähe von Weiden in der Oberpfalz. Dass die Oberpfalz in Bayern ist, irritiert mich übrigens genauso wie das Frankenstadion im baden-württembergischen Heilbronn oder die Schwaben in Augsburg. Jedenfalls wären wir eigentlich am 22. Mai wieder heim gefahren und ich wäre vier Tage vier später erneut in den bayerischen Wald zum Ultra Trail Lamer Winkel gefahren. Was natürlich völliger Blödsinn ist. Die findigen Damen unserer Urlaubsgesellschaft organisierten deshalb zwei Ferienwohnungen in Arrach für Woche zwei unseres Urlaubs.

Für 14 Tage Urlaub benötigt man natürlich etwas Equipment. Ich hatte die DSLR mitgenommen, dazu die kleine Nikon V1, die leider den Dienst quittierte, die Nikon AW110 und die China-GoPro, die ich nicht benutzt habe. Dazu noch das iPhone. Das Resultat sind über 1.000 Bilder, die ich nach wie vor sichte, sortiere und bearbeite. Ich hatte während des Urlaubs unser kleines 13″ Thinkpad dabei, aber ernsthaft arbeiten kann man damit nicht. Ich habe es deswegen eher dazu genutzt, um die Speicherkarten auf eine externe Festplatte zu sichern. Die Bilder, die ich während unseres Urlaubs bereits veröffentlicht habe, wurden überwiegend auf dem iPhone mit VSCO bearbeitet.

Die Bilder sind an verschiedenen Orten mit verschiedenen Kameras aufgenommen worden und unterschiedlich bearbeitet. Sie sind also genauso vielfältig wie der bayerische Wald. 🙂
Und um es noch spannender zu machen, sind sie willkürlich angeordnet. Okay, ich bin ehrlich: Ich bin einfach unstrukturiert und überfordert mit so vielen Fotos. Aber ich hoffe, sie transportieren die Erkenntnis, die ich hatte: Der bayerische Wald ist wirklich schön und nicht nur ein Urlaubsort für die uncoolen Freunde Eurer Eltern. (Oder ich bin mittlerweile einer dieser Freunde.)

 

Raubkatze frisst Läufer. Fast!

Vor kurzem hörte ich eine Episode des Ginger Runner Podcasts. Ethan Newberry hatte Joe Grant zu Gast. Und der erzählte, dass er bei irgendeinem verrückten Laufabenteuer nachts von einem Berglöwen verfolgt wurde und sich in der gottverlassenen Gegend glücklicherweise in das Auto einer Fotografin retten konnte, die gerade auf den Sonnenaufgang wartete.

Was soll ich sagen? Mir ist heute fast das gleiche passiert. Nur war es noch nicht Nacht. Mein Laufabenteuer war auch nur 13 Kilometer lang. Und retten musste ich mich auch nicht. Das lag vermutlich daran, dass der Berglöwe noch recht klein war. Und daran, dass niemand in der Nähe war.

Nachdem ich die erste brutale Attacke der Raubkatze abgewehrt hatte, versuchte ich schnellstmöglich zu fliehen. Aber ich hatte keine Chance. Die bösartige Kreatur stellte mich immer wieder und versuchte sogar, mich zu Fall zu bringen.

Doch ich hatte Glück und konnte einen Moment der Unachtsamkeit der Katze nutzen und fliehen. Und so kann ich exklusiv hier im Blog eines der wenigen Fotos einer solchen Attacke präsentieren. Es ist pures Glück, dass ich ohne gravierende Verletzungen davon gekommen bin. Guckt Euch nur den Blick an: Das pure Böse!

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KKH-Lauf 2016 in Stuttgart

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Was kommt nach 53 Kilometern über wurzelige Trails durch den bayerischen Wald? ganz klar: Sieben Kilometer im Bummeltempo durch den Höhenpark Killesberg in Stuttgart. Denn nächsten Sonntag findet wieder der KKH-Lauf statt, der für unsere Familie mittlerweile zum festen Termin im Jahreskalender geworden ist. Nachdem ich in den vergangenen Jahren kurz davon berichtet hatte, bin ich vor zwei Wochen von der KKH gefragt worden, ob ich diesmal nicht im Vorfeld etwas zum Lauf schreiben möchte. Und das mache ich gerne. Warum? Darum:

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Als wir 2010 das allererste Mal mitmachten, hatte ich noch Sorge, dass es sich um eine reine Werbeveranstaltung handelt, bei der man Flyern zugebombt wird und wahrscheinlich noch während des Laufes eine Zahnzusatzversicherung abschließen soll. Aber dem ist glücklicherweise nicht so. Die Veranstaltung ist genau das, was sie per eigener Definition sein soll: „Eine der größten Präventionskampagnen für alle die Spaß an der Bewegung haben, egal ob Einsteiger oder Fortgeschrittene.“

Dafür starten Kinder bis vier Jahre kostenlos, für Jugendliche zahlt man drei Euro, Erwachsene zahlen sieben Euro. Die Stargebühren werden komplett an Bild hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ gespendet. Ein Funktionsshirt gab es bislang auch immer kostenlos dazu. Außerdem eine Medaille und eine Kugel Eis für die Kinder. That’s value for (no) money. Das kommt nicht nur im Schwabenland gut an.

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Apropos Money: Kindergärten, Schulen, Vereine und Firmen mit den meisten Teilnehmern pro Lauf werden mit bis zu 500 Euro prämiert. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass man dazu manchmal gar nicht so viele Starter braucht. Wer es schafft, seinen Kindergarten zu aktivieren, hat gute Chancen auf eine gar nicht mal kleine Prämie.

Die Strecken reichen von altersgerechten 350 Meter für die Kleinsten, über 800 und 1.800 Meter bis hin zum Fitnesslauf für Erwachsene mit knapp sieben Kilometer. Soweit ich mich erinnern kann, gibt es nur für die Erwachsenen eine Zeitnahme. Sportlicher Schirmherr der Geschichte ist niemand geringeres als Dieter Baumann. Und das nicht nur auf dem Papier: Der Olympiasieger läuft auch bei jedem Lauf mit.

Natürlich steht bei solch einem Event das Laufen nicht unbedingt im Mittelpunkt.
Für die Kleinen gibt es deshalb ein nettes Rahmenprogramm mit Kinderschminken und Hüpfburg, Torwandschießen und mehr. Und wer nicht wie wir im Park picknickt, kann sich selbstverständlich vor Ort versorgen – dieses Jahr ganz stilecht bei I Love Mauldasch.

Kurz gesagt: Garantiert ein gelungener Tag in Stuttgarts schönstem Park mit ein wenig sportlicher Betätigung. Die Wetterprognose für Sonntag ist auch ganz ordentlich. Deshalb kann ich jedem nur raten, sich das mal anzuschauen. Die Onlineanmeldung ist zwar schon geschlossen, aber vor Ort kann man sich eventuell nachmelden. Und falls nicht, macht es so wie ich: Auf eine Picknick an den Streckenrand legen und zugucken, wie die Kinder durch den Park jagen. Wer keine Kinder mag, der sollte Sonntag einen großen Bogen um den Höhenpark machen. Es werden bestimmt wieder viele.

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P.S. Ich bin nicht bei der KKH krankenversichert und bekomme nichts für diesen Beitrag. Schreibe ihn aber sehr gerne, weil ich von der Veranstaltung überzeugt bin und sie deshalb gerne weiterempfehle.

 

UTLW 2016: Back to the roots.

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Ich stehe vor einer ca. zwei Meter hohen, leicht gekippten, Felswand. Es regnet. Die nette Dame vom UTLW-Orga-Team lächelt mich an und fragt mich, wie es mir geht. Wie soll es mir schon gehen nach acht Stunden und knapp 50 Kilometern mit 2700 Höhenmetern durch den bayerischen Wald? „Super“ sage ich und weiß sofort, dass sie mir nicht glaubt. Ihre Antwort: „Nach 50 Kilometern ist das auch egal, oder?“ Ich nicke, nehme das Seil mit den Knoten entgegen und wuchte meinen von viel zu viel isotonischen Getränken aufgeblähten Leib den Fels hoch. Erstaunlicherweise klappt das sogar und ich befinde ich mitten in Tromsø. Nein, kein Wurmloch. Sondern der neue Streckenabschnitt des U. Trail Lamer Winkel, den man kurz vor dem Ziel durchläuft. Benannt nach dem Tromsø Skyrace.

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Tromsø. Nur echt bei Regen.

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Streckenbriefing von Markus Mingo.

Ich weiß nicht, ob einer der Organisatoren „vom Fach“ ist, aber als Werbefuzzi attestiere ich den Veranstaltern großes Geschick in Sachen Marketing. Streckenabschnitte werden durch Namen wie Tromsø, Promised Land und Holy Trail zum Alleinstellungsmerkmal und die gesamte Veranstaltung wirkt trotz des sehr familiären Charakters durch und durch professionell. Dazu tragen elementare Dinge bei wie die hervorragende Kennzeichnung der Strecke bei, aber auch Aspekte, die man gerne unterschätzt, wie beispielsweise einheitliche Kleidung aller „Offiziellen“ oder eine Beschilderung, die sowohl auf Comic Sans wie auch auf Regenbogenfarben verzichtet.

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Aber Stop! Rewind selecta. Worum geht es eigentlich? Im vergangenen Jahr urlaubten wir während der Pfingstferien in Bayern und ich stolperte via Facebook über diese neue Trailveranstaltung ganz in der Nähe. Den Rest kann man hier nachlesen. Ich war als totaler Trailnoob damals schon vom Bambinilauf mit 14 Kilometern und 700 Höhenmetern völlig geflasht. Der Aufstieg zum Osser hatte mich vor einem Jahr gleichermaßen fasziniert und entsetzt. Da läufst Du seit zehn Jahren durch die Gegend, hast neun Marathons mehr oder weniger erfolgreich hinter Dich gebracht und dann kommt ein kurzer Lauf durch ein Mittelgebirge und auf einmal ist alles anders. Ein klassischer Fall von „Leider geil.“

Als ich damals nach meinen popeligen 14 Kilometern in Lam ankam und zwischen all den Läufern stand, die fast die vierfache Distanz absolviert hatten, war klar: 2016 versuche ich das auch. Ich will auch mal richtiger Ultratrailer sein. Gesagt, getan. Anfang Dezember meldete ich mich an und war einer der Glücklichen, die eine Startnummer ergatterten bevor der UTLW nach 17 Stunden ausgebucht war. Der UTLW sollte ein entscheidender Part meiner Vorbereitung auf den Zugspitz Supertrail (ZUT) sein.

Pfingstferien im bayerischen Wald waren auch wieder geplant, allerdings eine Woche vorher auf einem Bauernhof. Dank meiner findigen Ehefrau verlängerten wir den Urlaub um eine Woche in Arrach. Perfekte Bedingungen also für eine gewissenhafte Vorbereitung. Back to the roots sozusagen. Denn davon gibt es mehr als genug im Lamer Winkel. Allerdings wurde mir erst vor Ort klar, dass der UTLW viel mehr als nur ein Trainingslauf für den ZUT sein würde. 53 Kilometer? Erst zwei Mal gelaufen. 2.700 Höhenmeter? Noch nie geschafft. Neun Stunden oder mehr unterwegs? Absolutes Neuland! Und dazu das technisch anspruchsvolle Terrain. Auch die Tatsache, dass mein Trailmarathon in Lichtenstein nicht so ganz rund gelaufen war, war nicht gerade motivationsfördernd.

Und wie das im Urlaub nun mal so ist, fand der geplante Vierstunden-Lauf nicht statt, aber immerhin gab es ein paar Touren über zwei Stunden mit ein paar Hundert Höhenmetern. Und dann stand ich an unserem letzten Urlaubstag um kurz vor acht Uhr im Arracher Seepark und wartete auf den Startschuss zu dem anstrengendsten Abenteuer, das ich je unternommen habe.

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Von den 53 Kilometern, die vor mir lagen kannte ich die ersten neun Kilometer bis zum VP1 (im Urlaub abgelaufen) und die letzten 14 mit Ausnahme von Tromsø (aus dem letzten Jahr). Was mich beunruhigte: Der Aufstieg zum Osser, der mich 2015 so beeindruckt hatte, wurde in allen Berichten nebenbei abgehandelt. Der Weg von VP1 zu VP2 auf dem großen Arber hingegen wurde als der „schwerste Teil der Strecke“ charakterisiert und der Aufstieg zum Zwercheck wurde ebenfalls ziemlich drastisch dargestellt. Ich bin ehrlich: Ich hatte etwas Sorge, es nicht zu schaffen. Allein der Gedanke an den verwurzelten Aufstieg zum Osser mit 40 Kilometer in den Beinen ließ leichte Panik in mir aufsteigen.

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Aber das Schöne ist ja, dass alle Ängste und Sorgen mit dem Startschuss vergessen sind und man nur noch laufen muss. Nachdem Jörn und Chris auf den Osser Riesen downgegradet hatten, hatte ich mich mit dem letzten verbliebenen Mohikaner Michael in Arrach verabredet, um gemeinsam mit ihm zu starten. Die VP1 erreichten wir gemeinsam locker innerhalb des Zeitlimits, aber nach ca. 14 Kilometern machte sich bemerkbar, dass Michael zwar so groß wie ich ist, aber locker 20 Kilo weniger wiegt. Dass er „nur“ 25 Minuten vor mir ins Ziel kam, lag wohl daran, dass er sich kurzzeitig verlaufen hatte.

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Die 15 Kilometer von VP1 zur VP2 zogen sich wie erwartet, waren aber weniger schlimm als von mir befürchtet. Es ging über mehrere Gipfel des bayerischen Walds bis wir schließlich auf dem großen Arber angelangten. Das Terrain wurde zunehmend felsiger und teilweise war Handarbeit gefragt, um die Gipfel zu erklimmen. Erstaunlich auch, wie schnell die Zeit vergeht. 20 Kilometer auf der Uhr, aber schon über drei Stunden unterwegs. Eine Durchschnittspace  von knapp 10 Minuten pro Kilometer macht es möglich.

Der Blick vom Arber

Der Blick vom Arber

Die große Auswahl am VP2 machte mir mal wieder deutlich, dass ich nicht den Hauch einer Ernährungsstrategie habe. Ich wandte deshalb die übliche Büffett-Taktik an: Von allem etwas. Iso, Wasser, Stück Kuchen, Apfelschnitz und so eine Gel-Waffel. Wird schon passen. Mein Magen ist zum Glück teflonbeschichtet.

Die 11 Kilometer vom Arber zum nächsten VP hatte ich gedanklich schon abgehakt. 700 Höhenmeter bergab und die Aussicht auf ein Meet & Greet mit der Family auf der Scheibe bei Kilometer 36 machten den nächsten Abschnitt zum Selbstläufer. Überhaupt das Thema Familie. Meine Frau und ich haben schon vor längerer Zeit bemerkt, dass es stressfreier für alle ist, wenn ich alleine zu Laufveranstaltungen fahre. Allerdings galt diese Maxime für Straßenwettbewerbe. Bei einem Ultratrail, bei dem Zeit eine nicht so wichtige Rolle spielt, ist es einfach anders. Wobei die knapp 60 Minuten, die ich an den vier VPs verbracht habe, wohl doch noch optimierungswürdig sind.

Anschließend ging es hoch zum Zwercheck. Der berüchtigte verwurzelte und verblockte Aufstieg stand mir bevor. Und tatsächlich hat man das Gefühl als ob sich jederzeit ein Ent entwurzeln und losmarschieren könnte. So. Verdammt. Viele. Wurzeln. Aber so anstrengend es auch ist: Es ist machbar. Gut machbar.

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Vom Zwercheck bergab läuft man man ca. vier Kilometer leicht bergab über eine Forststraße. Luxus für die Füße also. Nach meinem wenig rühmlichen Wandertag beim Trailmarathon war ich gespannt, ob und wie ich diese Passage laufen würde. Die Antwort: 5:53, 5:49, 5:52 und keinerlei Verlangen, diesen Abschnitt zu gehen. Und spätestens jetzt wusste ich, dass ich den UTLW in einer akzeptablen Zeit zu Ende bringen würde. Sogar der noch bevorstehende Aufstieg zum Osser Riesen verlor seinen Schrecken. Und tatsächlich konnte ich die drei Kilometer bis zum Gipfel langsam aber ohne Pausen hochschnaufen, begleitet von Donnerhallen um uns herum und Regentropfen in rekordverdächtiger Größe. Doch wir hatten Glück und das Gewitter zog um uns herum.

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Runter vom kleinen Osser.

Auf dem Osser gab es ein Radler in den Faltbecher und dann ging es bergab. Zum Glück nur topografisch, denn ich wusste schließlich, was mich erwartet –  Tromsø mal ausgenommen. Ich hatte das Privileg, die wohl schönsten Abschnitte der gesamten Strecke komplett für mich zu haben. Es war einfach traumhaft, ganz alleine durch diesen moosigen, nadeligen Zauberwald zu laufen, während sich Regen und Sonnenschein abwechselten.

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Irgendwann spuckte der Wald mich aus und ich befand mich auf der Wiese oberhalb von Lam. Ich fühlte mich echt schäbig, als ich mein iPhone zückte und meiner Frau meine Zielankunft ankündigte, aber manchmal muss das eben sein. Zirca zehn Meter vor mir gingen einige zukünftige Königinnen und Könige vom Bayerwald. Ich wollte mich schon anschließen als ich feststellte, dass ich nicht gehen, sondern laufen wollte. Also trabte ich vorbei an der Gruppe und begab ich mich auf den letzten asphaltierten Kilometer runter zum Marktplatz nach Lam. Wie man in Stuttgarter Bloggersprech so gerne sagt: „Fällt mir nur geil ein.“ Der letzte Kilometer in 5:16, an der Ecke vor dem Marktplatz die Kinder aufgesammelt, auf der Zielgerade noch mal überholt worden (Scheiß drauf!) und unter neun Stunden über die Ziellinie.

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Was bleibt?
Grenzenloses Selbstvertrauen! Der UTLW war mehr als eine Rehabilitation für die suboptimalen 45 Kilometer auf der schwäbischen Alb. Ich fühlte mich nie schnell, aber jederzeit stark. Wenn man auch nach 50 Kilometern auf schmalen Trails noch mühelos in den Laufschritt verfallen kann, ist das einfach ein geiles Gefühl. Jetzt verbleiben noch 17 Tage für die Formkonservierung und dann stehen in Grainau 60 Kilometer und 3.000 Höhenmeter an. Aber irgendwie macht mir das gerade keine Angst mehr.

Und der UTLW?
Wer sich nicht anmeldet, hat den Ultra-Trail nie geliebt. Ultra-familiär, ultra-professionell, ultra-schön. Denn wo sonst läuft euer Nachwuchs einen Kids Trail mit einer der schnellsten Trail-Läuferinnen Deutschlands und bekommt zur Belohnung die gleiche Medaille (und noch drei Kugeln Eis dazu!), für die ihr einen Tag später 53 Kilometer zurücklegen müsst (und kein Eis dazu bekommt)?

Ich bin nächstes Jahr wieder dabei – auch wenn der UTLW 2017 nicht in die Pfingstferien in Baden-Württemberg fällt.

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Was für ein Alb-Traum!

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Nachdem mit dem Hermannslauf der Einstieg in die Wettkampfsaison so gut geklappt hatte, war ich am Freitag Abend ungewöhnlich locker. Und das, obwohl ich wusste, was mich beim Trailmarathon in Lichtenstein erwarten würde: Die erste Hälfte der Strecke bin ich bereit zwei Mal gelaufen, den zweiten Teilabschnitt hatte ich erst letztens testen können. Aber es würde ja nur ein Trainingslauf für den UTLW bzw. Zugspitz Supertrail werden, das Wetter würde grandios werden und ein Marathon, der nur 45 Minuten von daheim entfernt ist, zählt ja sowieso nicht so wirklich. Als dann am Freitag Abend über Facebook Teilnehmer des Trailcamps jedoch verkündeten, dass die Strecke auf 49,5 Kilometer verlängert worden sei, um Brutgebiete zu umgehen, wurde ich aber doch leicht nervös. Ich wollte einen Marathon als Ultravorbereitung laufen und keinen Ultra als Ultravorbereitung. Aber okay, hier in Stuttgart werden Milliardenprojekte wegen ein paar Käfer komplett umgeplant, dann werde ich für ein paar komische Vögel auch einige Kilometer mehr laufen können.

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Auch am Start, wo ich Bibi und Jörn traf, war noch die Rede von „knapp 50 Kilometern“. Um es kurz zu machen: Es waren am Ende 45,3 Kilometer. Da hätte ich mir am Start etwas mehr Klarheit gewünscht. Irgendwer sollte doch wissen, wie lang die Strecke wirklich ist und vor allem die Läufer sollte Klarheit haben, was ihnen bevorsteht.

Um Punkt 10 ging es jedenfalls bei bestem Sommerwetter los. Die schnellen Jungs vorneweg, ich im Pulk hinterher, fest entschlossen, jeden Anstieg zu gehen und vor allem meine Stöcke ausgiebig zu testen, da ich hier kaum Gelegenheit dazu habe. Da ich mir bei einem finalen Test, die Stöcke während des Laufens im Rucksack zu verstauen, beinahe die Schulter ausgekugelt hatte, trug ich sie gleich am Start in der Hand, da ich wusste, dass es bald bergauf gehen würde. Denn wie es sich für einen ordentlichen Traillauf gehört, ging es rauf oder runter. Ebene Abschnitte waren eine Rarität.

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Man sieht im Profil sehr schön, dass nach ca. 7 Kilometern die erste richtige Downhillpassage kommt. Ich war gut unterwegs, hatte einen Läufer ca. 20 Meter vor mir, einen anderen 20 Meter hinter mir. Und eine hochstehende Wurzel direkt unter mir. Und im nächsten Augenblick rutschte ich ich schon bäuchlings noch ca. 30 Zentimeter über den Waldboden bevor ich platt auf dem Singletrail lag. Ich war vor allem überrascht, rappelte mich auf und sortierte mich: Anscheinend alles noch dran. Kleine Schramme an der linken Hand, kleine Schramme am rechten Knie und eine nicht ganz so kleine Schürfwunde am rechten Unterarm. Mein Hintermann erkundigte sich kurz nach meinem Wohlbefinden und wir liefen gemeinsam weiter. Die nächsten drei adrenalingeschwängerten Kilometern waren ein Traum! Ich überlegte kurz, ob ich das Missgeschick am Arm einfach ignorieren sollte, entschied aber dagegen. Der Tag würde noch lang werden und es gibt wahrscheinlich bessere Ideen, als stundenlang mit einer schmutzigen Wunde durch den Wald zu laufen. Also stoppte ich am nächsten Sanitätsposten und ließ den Arm säubern. Meine Befürchtung, das würde lange dauern, erwies sich als unbegründet. Die beiden Sanitäter kippten mir auf der Straße irgendeinen Flascheninhalt drüber, reinigten die Wunde, bestaunten sie kurz und fragten mich halbherzig, ob ich evtl. einen Verband möchte. Natürlich nicht, dann sieht es doch niemand!

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Es folgte der mühsame Aufstieg zum Schloss Lichtenstein. Die Adrenalinflut verebbte leider schnell und es wurde ziemlich anstrengend bis bei ca. Kilometer 17 die erste Verpflegungsstelle kam. Dort traf ich nicht nur Jörn, der sich entschlossen hatte, nach der Hälfte der Strecke Feierabend zu machen, sondern auch Frank, den ich vor ein paar Wochen auf der Salomon Veranstaltung in den Wagenhallen kennengelernt hatte. Auch er wollte wie ich den kompletten Marathon oder Ultra bewältigen. Als Dreierpack liefen wir zurück Richtung Unterhausen, wo sich Jörn von uns verabschiedete und Frank und ich die zweite Hälfte in Angriff nahmen, ohne zu wissen, wie lang sie wirklich sein würde.

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Es war so ca. bei Kilometer 27, als ich Frank ziehen ließ, weil ich ziemlich platt war. Bis ins Ziel nahm er mir bei seiner Ultrapremiere satte 40 Minuten ab. Und während er es laufen ließ, machte ich einen Wandertag. Mit meinen Stöcken hatte ich mittlerweile Freundschaft geschlossen und benutzte sie bergauf und bergab und sagte mir immer wieder, dass das ganze nur ein Trainingslauf ist. Zwischendurch lief ich natürlich auch hin und wieder, aber die Kilometerzeiten sprechen Bände. Und doch erreichte ich mein Ziel. Nicht nur das auf dem Sportgelände Berg, wo ich nach wenig ruhmreichen 6:44 einlief, sondern das Ziel, mich für den UTLW und den ZST vorzubereiten. Denn zwischendurch war ich so platt, dass ich die Anstiege kaum noch geschafft habe und sogar kurze Verschnaufpausen einlegen musste. Verschnaufpausen vom Gehen wohlgemerkt! Aber knapp sieben Stunden in Bewegung war ich auch nie bei einem Wettbewerb. Deshalb denke ich, dass der Trailmarathon als Trainingseinheit deutlich effizienter war als ein langer Lauf über vier Stunden.

Und so platt ich während des Laufs auch war: Gegen Ende wurde es wieder besser und danach ging es mir prima. Am Tag drauf konnte ich problemlos mit den Kinder Fußball spielen und heute gingen 13 Kilometer in 6er Pace auch ganz gut. Trotzdem habe ich etwas Bammel vor dem Ultra Trail Lamer Winkel in drei Wochen. Zusätzliche 8 Kilometer und knapp 1.000 Höhenmeter in schwierigerem Gelände sind dann gefordert.

Fazit: Eine tolle Veranstaltung, die das Trail Magazin auf die Beine gestellt hat, Orga, Verpflegung und Streckenmarkierung war top. Nur das mit der Streckenlänge war etwas unglücklich.

FCK WSN. Aber die Bilder behalte ich.

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Dirndl und Lederhosen soweit das Auge reicht, vollgekotzte Stadtbahnen und knapp 10 Euro für die Maß. Der Cannstatter Wasen kommt nicht bei allen gut an. Und mag das Münchener Oktoberfest auch noch etwas größer sein, so haben wir hier in Stuttgart gleich zwei Mal pro Jahr das Vergnügen. Das Frühlingsfest ist eine Nummer kleiner als das Volksfest im Herbst, bringt aber die gleichen unangenehmen Begleitumstände mit sich: Trachtenbratzen aus den Vororten und Erbrochenes im öffentlichen Personennahverkehr.

Aber für die Kinder ist es natürlich ein echtes Erlebnis und deswegen geht’s immer am Familientag einmal über den Wasen: Kettenkarussell, Pommes, Geisterbahn, Enten angeln, Riesenrutsche, Kinderkarussell und wieder nach Hause, bevor die ersten Bierzombies aus den Festzelten fallen. Gestern war es wieder soweit: Kindertag!

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Normalerweise bin ich nicht dabei, weil ich ja leider arbeiten muss, aber da wir uns gestern eine Wohnung in Gaisburg angeguckt haben (war leider nix: Innenliegendes, winziges, altes Bad, keine separate Toilette. Beste Voraussetzung also für allmorgendlichen Stress), gingen wir danach wieder auf den Wasen, wo meine Frau die Kinder bei Ihren Schwestern geparkt hatte.

Viel los war nicht. Wahrscheinlich hatten sich die meisten von der schlechten Wetterprognose abschrecken lassen. Unser Glück. Keine Schlangen, viel Platz und teilweise sogar Sonnenschein. Ich hatte mir die Mühe gemacht und die DSLR mitgenommen, weil ich es da unten aus optischer Sicht immer wahnsinnig spannend finde. Es ist zu grell, es ist zu bunt, es ist zu gesättigt. Visueller Overflow. Aber leider geil. Gestern gab es dann zu Belohnung noch gutes Licht: Ständig wechselnde Verhältnisse wegen der schnell ziehenden Wolken, harte Kontraste und die allgegenwärtigen grellen Farben. Ich mag ohnehin diesen leicht morbiden Charme der Fahrgeschäfte und Buden. Und so bin ich etwas stolz. Nicht, weil ich mich gestern auf die Riesenrutsche getraut habe, sondern weil ich endlich mal wieder ein paar Bilder zeigen kann.

Übrigens: Das Grafitti, das oben zu sehen ist, prangte direkt am Durchgang zum Festplatz. Deswegen gab es auch etwas Ärger und anschließend ein Update.

Heimspiel unterm Hermann.

Ich denke, jeder Läufer hat „seinen“ Lauf. Der Termin, der als erster fix im neuen Kalender notiert ist. Die Veranstaltung, bei der man sich einfach wohl fühlt. Für mich war das irgendwie nie der Stuttgartlauf. Trotz Erreichbarkeit per Fahrrad und Einlauf im Stadion. Und trotz der Tatsache, dass ich schon zig mal mitgelaufen bin.

Dann schon eher der Nikolauslauf in Tübingen. Aber eigentlich ist mein Lauf der Hermannslauf. Und das, obwohl ich 2016 „erst“ zum fünften Mal dabei war.

Als ich noch in Ostwestfalen-Lippe (OWL) lebte, bin ich nicht gelaufen. Deshalb war der Hermannslauf für mich eine Veranstaltung, die mich nie großartig interessierte, die aber trotzdem jeder kannte. Kein Wunder: Schließlich gibt es den Lauf seit den frühen 70er Jahren und wenn ein paar Tausend Läufer durch den Teutoburger Wald schnaufen, herrscht Volksfest-Stimmung in OWL. Als mich dann Mitte der Nuller-Jahre die große Lauf-Euphorie packte, meldete ich mich nicht nur in Freiburg an, um meinen ersten Marathon zu laufen, sondern auch gleich beim Hermannslauf, der immer am letzten Sonntag im April stattfindet. Wer 42 Kilometer läuft, der sollte schließlich auch 31,1 locker schaffen. Um es kurz zu machen: Marathon-Debüt war erfolgreich, aber am nächsten Tag tat mein Fuß höllisch weh. Ich lief drei Wochen gar nicht und machte meinen ersten Lauf nach dem Marathon vom Hermannsdenkmal zur Sparrenburg. Bei bestem Wetter lief ich beschwerdefrei nach 3:12 ins Ziel – und war geflasht. Der Hermann und ich: Es war Liebe auf den ersten Blick. Kein Wunder also, dass wir auch 2016 die gut 1.000 Kilometer Autobahn für ein Wochenende in OWL gerne in Kauf nahmen. Die Kinder bekamen Opa-Zeit und ich ein weiteres Rendevouz mit Hermann.

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Hermann, wir kommen! Gute Stimmung auch auf den billigen Plätzen.

Aus meiner Sicht gibt es mehrere Dinge, die den Lauf besonders machen. Zum einen ist da natürlich die Strecke durch den Teutoburger Wald mit ihrem welligen Profil und den unzähligen Untergründen: Waldboden, Forststraßen, Sennesand, Schotter, Kopfsteinpflaster, Asphalt, Treppenstufen sind im Angebot. Das nächste Alleinstellungsmerkmal ist die Logistik: Es gibt drei Hotspots. Das Gymnasium am Waldhof, in dem man seine Startunterlagen abholt und von dem aus die Busse starten (dazu später mehr). Das Hermannsdenkmal in der Nähe von Detmold, von dem aus gestartet wird. Und schließlich die Bielefelder Sparrenburg, an der sich das Ziel befindet.

Da Start und Ziel gut 30 Kilometer voneinander entfernt liegen, müssen über 7.000 Läufer am Sonntagmorgen also erstmal von Bielefeld zum Hermannsdenkmal gekarrt werden. Eine logistische Meisterleistung und ein echtes Schauspiel, wenn die Straße voller Läufer und Busse ist. Aber mit der Erfahrung aus 45 Jahren und den typisch deutschen Skills im Schlangestehen klappt es tatsächlich. Wenn man Glück hat, erwischt meinen der wenigen 5-Sterne-Cruiser. Aber in der Regel landet man in einem der zweckentfremdeten Linienbusse.

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Und so saß ich in bester Gesellschaft in einem Bus zwischen Laufbuddy Claudi sowie Chris und Dominik, mit denen wir uns an der Schule getroffen hatten. Auch die die knapp 45 Minuten Fahrt zum Hermann sind immer ein Highlight. Es riecht nach Latschenkiefer, Bananen, Adrenalin und einem Hauch von Angst. Kein Wunder, denn unter den 7.100 Startern waren diesmal 3.000 Debütanten. Auch die Gespräche, die man aufschnappt, sind sehr amüsant. Egal, ob Veteranen sich zu erinnern versuchen, ob sie zum 27. oder 28. Mal mitlaufen oder Ersttäter akribisch ihr Rennen planen. Mein Highlight diesmal waren die Läufer hinter mir, die ihr Inventar sortierten. „Ich habe 5 Gels und 2 Riegel dabei“. Ich hätte mich fast an meiner Banane verschluckt, die meinen ganzen Proviant darstellte.

Die dritte Besonderheit des Hermannslaufs ist die Kleiderbeutel-Logistik. Man fährt mit seinem Kleiderbeutel zum Hermannsdenkmal und gibt ihn dort ab, damit er ins Ziel zur Sparrenburg transportiert wird. Offiziell ist der letzte Zeitpunkt für die Abgabe der Beutel 10:30. Der erste Start ist allerdings erst um 11 Uhr, die letzte Gruppe startet sogar erst 15 Minuten später. Das bedeutet, dass man mindestens 30 Minuten im Renn-Outfit rumsteht. Aufgrund der suboptimalen Wetterprognose hatte ich mir deshalb zum ersten Mal einen Wegwerfoberteil mitgenommen. Trotzdem war ich leicht geschockt, als nach dem Aussteigen aus dem Bus ein paar Schneeflocken auf uns herab rieselten.

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Coole Brillen und fancy Sweater. Bild: www.schluppenchris.de

Kurz vor 11 verabschiedeten wir uns von Chris und Dominik, die aus B bzw. C starteten und sortierten uns in Block A ein. Ich hatte mir dieses Privileg durch meine Zeit vom letzten Jahr erworben und Claudis Marathonzeit vom Bienwald (3:37) reichte locker, um sie am Samstag „hochstempeln“ zu lassen. Denn, und das ist Besonderheit 4: Beim Hermannslauf wird am Block-Eingang schärfer kontrolliert als an einer Clubtür am Samstag Abend. Das ist manchmal nervig, aber auf der schmalen Strecke ist es unerlässlich, dass sich jeder seinem Niveau entsprechend einsortiert.

Ich muss gestehen: Ich hatte mir Block A cooler vorgestellt. Und kleiner. Und schneller! Aber statt spindeldürrer, sehniger Überflieger standen da überwiegend ganz normale Menschen. So wie ich. Nur etwas schlanker. Völlig enttäuschend. Pünktlich um 11 Uhr ging es dann los. Nach ein paar Metern Richtung Denkmal biegt man in den Wald ab, um auf 3 Kilometer 150 negative Höhenmeter zu machen. Es ist traditionell zu voll und es geht mir traditionell zu langsam voran. Zu langsam? Achja, das Zeitziel.

Kurzer Einschub:
Nach meinen 3:12 im Jahr 2007 folgte eine Babypause bevor ich 2010 Claudi bei ihrem ersten Hermann – und damit der längsten Distanz, die sie je gelaufen war – begleitete. Das dauerte stattliche 3:46h. Nach der ersten Euphorie, es geschafft zu haben, war sie mit der Zeit nicht mehr so recht zufrieden und wir traten 2011 erneut an, um die 3:30 zu knacken. Ins Ziel kamen wir nach 3:05h. Funfact: Mit Forerunner 305 (links) und Gipsarm (rechts). Zum Glück war und bin ich Linkshänder.

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Mit Banner, ohne Bart. 2011 war die Welt noch in Ordnung.

Letztes Jahr lief ich mit Jens den Hermann und hatte mir das Ziel gesetzt, die 3h-Marke zu knacken, denn unter Hardlinern gilt ein Hermann nur als gelaufen, wenn man es unter drei Stunden geschafft hat. Alles andere ist „gewandert“. Ich startete letztes Jahr relativ planlos und wusste nicht mal, welche Pace ich für die Sub3 benötige. Die Konsequenz: Ich kam mit knapp 2:35 ins Ziel.

Deswegen hatte ich ganz entgegen meiner normalen Gewohnheiten für dieses Jahr ein ambitioniertes Ziel ausgegeben: 2:29. Allerdings wurde mir am Samstag auch bewusst, dass der Hermannslauf ein Ereignis ist, das ich genießen möchte und auf das ich mich nie gezielt vorbereitet habe. Auch in diesem Jahr ist der Hermann der Auftakt von immer länger und härter werdenden Wettbewerben, die ihren Höhepunkt dann im Juni im Zugspitz Supertrail finden. Egal, zurück auf die Strecke.

Die normalen schlanken Menschen liefen viel zu langsam bergab. Gefühlte 6:30 min/km. Ich bin alles andere als ein Downhill-Monster, aber ehe ich mich versah, lief ich, wann immer es ging, links auf der Überholspur leicht abseits der Strecke an so vielen Läufern wie möglich vorbei. Strava sagt: Der erste Kilometer dauerte 5:08 Minuten. Die nächsten beiden im Überholmodus dann 4:18 bzw. 4:26.

Den ersten „Berg“ bei Kilometer 7 hatte ich etwas kürzer in Erinnerung, aber ich kam trotzdem gut drüber: Ehberg in 5:40 und 6:01 sagt Strava. Überhaupt merkte ich, dass sich mein aktuelles Training mit vielen Höhenmetern auszahlt. Bergauf und bergab war ich deutlich zügiger unterwegs als das Gros der Läufer; auf der Ebene war ich etwas langsamer. Aber zum Glück gibt es beim Hermannslauf kaum ebene Abschnitte.

Auf jeden Fall war ich gut unterwegs. Und es war so wie es sein sollte: Die Kilometer flogen dahin. Auf der Panzerbrücke kurz vor Kilometer 10 kurzes Meet & Greet mit der Family, dann bei Kilometer 15 der steilste Anstieg in Person des Tönsbergs. Und murmelte ich seinen Namen vor ein paar Jahren noch in Ehrfurcht, schnaufte ich ihn diesmal in einer 5:30er Pace hoch – vorbei an dem überwiegend gehenden Feld. Bergtraining, ich liebe dich!

Nach dem Tönsberg geht es runter nach Oerlinghausen. Wieder drei Kilometer mit gut 120 negativen Höhenmetern auf Asphalt und Kopfsteinpflaster. Da kann man richtig Gas geben. Es sei denn, man steckt auf einmal mitten in einem Schneesturm! Es war unfassbar. Oerlinghausen ist der einzige Ort, durch den der Hermannslauf führt. Die Stimmung dort bewegt sich deshalb irgendwo zwischen Alpe d‘ Huez und Oktoberfest. Noch spektakulärer ist es allerdings, wenn man Ende April im Schneetreiben durch das enge Spalier der Zuschauer läuft, denen das Wetter anscheinend ähnlich egal war wie uns Läufern.

Allerdings merkte ich auch relativ schnell, dass ich die Messlatte letztes Jahr unerwartet hoch gelegt hatte. Denn die Hoffnung, eine Zeit unter 2:30 locker aus dem Fuß schütteln zu können, hatte nicht allzu lang Bestand. Ehrlicherweise hatte ich auch schon die Hoffnung aufgegeben, meine Zeit von 2015 zu knacken. Doch ca. vier Kilometer vor dem Ziel sah ich auf meiner Uhr die Durchschnitts-Pace von 5:05 km/min. Und ich wusste, dass es letztes Jahr am Ende 5:04 km/min. waren. Also beschwor ich nochmal meinen inneren Hermann: 4:52, 4:36, 4:43 und 4:33 brauchte ich für die letzten vier, abschüssigen Kilometer und kam nach offiziellen 2:33:43 ins Ziel – und damit eine Minute und 9 Sekunden schneller als im vergangenen Jahr. Bei Kilometer 30 wurden wir nochmals von einem Hagel-/Schneeschauer überrascht und ich habe mich extra beeilt, um ein Unwetter-Zielfoto zu bekommen. Aber als ich an der Sparrenburg ankam, schien schon wieder die Sonne – verdammt!

Der Herr im Vordergrund ist übrigens drei Stunden vor mir gestartet – hoffe ich zumindest. Bild: Ingo Löhdorf | www.laufpix.de

Der Herr im Vordergrund ist übrigens drei Stunden vor mir gestartet – hoffe ich zumindest. Bild: Ingo Löhdorf | www.laufpix.de

Die sub 2:30 habe ich damit deutlich verpasst. Aber eine PB gesetzt und mit Platz 614 bei 7.100 Startern gehöre ich zu den Top 10% des Feldes, was mich ziemlich glücklich macht. Vielleicht klappt es ja nächstes Jahr mit der 2:29. Ich werde auf jeden Fall versuchen, wieder dabei zu sein und kann nur jedem empfehlen, den Hermannslauf zu erleben. Die Strecke ist nicht zu kurz und nicht zu lang. Es gibt wenig Asphalt, aber auch keine echten Trails. Das Profil ist wellig, aber komplett laufbar. Ach, es ist einfach perfekt! Die Anmeldung für 2017 startet Anfang Januar. Allerdings muss man sich den Wecker stellen: Die 7.000 Startplätze waren in weniger als vier Stunden weg.

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Medaille fest und Medaille flüssig.

Fazit:
Ein perfekter Auftakt in die Wettkampfsaison 2016. Bestzeit geknackt, Chris und Dominik kennen gelernt und eine Menge Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben gewonnen. Next Stop: Trailmarathon Lichtenstein. 43 km, 2.000 hm.