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Angeberprollrap.

Ich weiß nicht mehr, wie es dazu kam, aber ich muss gestehen: Ja, ich höre gerne Deutsch-Rap. Und damit meine ich nicht die Fantastischen Vier, Fettes Brot oder Deichkind (die mag ich aber auch alle). Doch vor einiger Zeit habe ich festgestellt, dass ich ganz hervorragend laufe, wenn ich Kollegah & Co. höre. Okay, man muss sich etwas überwinden, wenn ein Album „Zuhälter-Tape“ heißt und tut gut daran, die Texte, die sich überwiegend um Frauen (verachtend), Drogen (glorifizierend) sowie Waffen und Autos (teuer und schnell) drehen, als Kunstform zu interpretieren und einfach zu glauben, dass die Jungs das nicht wirklich ernst meinen.

Neben dem pumpenden Beat stehe ich auf den wirklich bemerkenswerten Umgang mit der deutschen Sprache à la „Deine Mutter hat mehr Laufkundschaft als eine Intersportfiliale“ oder „Und kauf ich mal bei Real ein, hol ich Fussball-Stars in Spanien“. Und Doubletime-Passagen rocken immer noch.

Über Kollegah fand ich zu Haftbefehl, zu SSIO und zu Karate Andi. Und mittlerweile höre ich das nicht nur beim Laufen, sondern auch im Büro. Aber nur ganz leise, da sowas von NSFW. Außerdem steigt mit jeder Minute des Hörens in mir der Wunsch, meine Mitmenschen mit einem herzlichen „Hurensohn“ statt des langweiligen „Guten Morgen“ zu begrüßen.

Was ich eigentlich schreiben wollte: Ich bin durch Zufall auf hearthis.at über Remixes gestolpert: Hafti meets Motown und SSIO rappt auf Reggae. Und wenn ich nicht stramm auf die 40 zugehen würde, schriebe ich: Ich feiere das hart. Ach, scheiß drauf: Ich feiere das hart!

Achja: Eure musikalischen Coming Outs gerne in die Kommentare!

haftbefehl – lass die affen aus’m zoo (chrispop do you love me refix) by chrispop on hearthis.at

  1. Das Schöne ist ja, dass man in einem Alter ist, in dem man sich das selbst erlaubt. Mit Anfang 20 hätte ich mir einige Generes kategorisch verboten. Heute sind da mitunter ganz üble Ausreißer zu meinem Alternative/Indie/Rock-Musikgeschmack bei, grade auch beim Sport, und das ist gut so.
    Ein schöner Post, hat Spaß gemacht zu Lesen und sich wieder zu erkennen. Das Mixtape wird auf jeden Fall gecheckt – heimlich versteht sich 😉

    • Vielen Dank! Mir geht es genauso wie Dir. Früher hörte ich halt „meine“ Musik. Erst Metal, dann Punk/Hardcore. Alles andere war Mist. Zumindest war das die Meinung, die zu vertreten war. Erst mit der Crossover-Bewegung öffnete sich mein musikalischer Geschmack in Richtung Hip-Hop. Aber mittlerweile höre ich auch tatsächlich alles, was mir gefällt von Folk bis Posthardcore und bin damit sehr glücklich. Abneigungen gegen bestimmte musikalische Richtungen bzw. Künstler habe ich natürlich immer noch, aber das hat nichts mehr mit „gesellschaftlichen“ Zwängen zu tun, sondern liegt schlicht und ergreifend daran, dass ich diese Musik einfach scheiße finde. 🙂

  2. Das kommt mir bekannt vor 🙂
    Früher hätte ich so einen Kram nie gehört, inzwischen höre ich was mir gefällt und manchmal gefällt mir auch so Prolokram … das gefährlichste daran ist allerdings, dass man das mal in Anwesenheit seines Nachwuchses laut abspielt (passiert manchmal im Auto) … erstaunlich wie wenige Sekunden reichen hier Worte ins Kinderhirn einbrennen zu lassen 🙂

    • Das gleiche hier. Wobei es mich doch ein wenig stolz macht, wenn’s Söhnchenn im Auto sagt: „Papamusik ist besser als Kindermusik.“ Aber ganz ehrlich: Volker Rosin oder Detlev Jöcker sind schlimmer als jeder Tinnitus.

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