Allgemein

Die Nächste, bitte.

Noch knapp zwei Stunden und der Januar 2016 ist Geschichte. Und das ohne einen einzigen Tropfen Alkohol für mich. Na gut, in der Silvesternacht habe ich natürlich noch was getrunken. Aber da ich nicht vorhabe, heute bis Mitternacht aufzubleiben, um die Abstinenz zu beenden, ist das wohl okay. Alkoholfreier Januar: ✓

Rückblickend lässt sich sagen, dass es weitaus weniger schwierig war als ich gedacht hätte. Aber tatsächlich ist Verzicht einfacher als Einschränkung. Nicht mal die Faschingsfeier der zweiten Klasse meiner Tochter konnte mich von meinem Vorhaben abbringen. Obwohl ich gezwungen wurde, mich zu verkleiden und ich erleben musste, wie Siebenjährige zu Gangnam Style abgehen. Traumatisch.

Wie ich schon schrieb, habe ich Gefallen an diesen Monats-Challenges gefunden und mir deshalb auch die nächste gesucht: Kein Fleisch im Februar.

Ich glaube, dass diese Aufgabe vom Gier/Sucht-Faktor ziemlich einfach ist, aber dafür umso schwerer in der praktischen Umsetzung. Denn ein Bier trinkt man wohl kaum aus Versehen (wenn es nicht gerade das achte am Abend ist). Aber, wenn man sich seit knapp 40 Jahren mit Fleisch ernährt, landet die Scheibe Wurst ebenso selbstverständlich auf dem Brot wie die Marmelade. Deswegen werde ich tatsächlich verstärkt darauf achten müssen, was ich esse, was ich als positiven Nebeneffekt sehe.

Heute haben wir meinen Schwiegervater nach seiner Hüft-OP in der Reha-Klinik in Bad Saulgau besucht. Als wir mittags essen waren, hat mein Gehirn anscheinend in einer Art Torschlusspanik meinem Mund befohlen, eine Schlachteplatte zu bestellen. Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Schlachteplatte gegessen. Alleine das Wort finde ich schon abstoßend. Das Ding war auch echt fies: Leberwurst, Blutwurst, Kasseler, Kraut, Kartoffeln. Wahrscheinlich der Prototyp eines deutschen Klischee-Essens. Geschmeckt hat es übrigens sensationell. Nur schade, dass ich keinen Schnaps danach trinken konnte. Jedenfalls sind meine Fleischspeicher nach dieser Überdosis jetzt gefüllt bis zum Anschlag und ich bin sicher, dass ich den Februar fleischlos überstehe.

Und falls ich in den nächsten 29 Tagen doch mal extremen Fleischappetit verspüren sollte, gilt zum Glück wieder die alte Regel: „Sieben Bier sind auch ein Schnitzel“. In diesem Sinne: Prost.

SRO_2990-Bearbeitet

  1. Du, Verzicht ist ganz einfach. Für mich. Ich verzichte seit August aufs Laufen. 😉

  2. Das könnte noch Blüten treiben, wenn Du das jetzt bis Dezember durchziehen willst. Was kommt nach Fleisch? Da Du mit den größten Klassikern angefangen hast, könnte das iPhone kommen oder das Netz im Ganzen (könnte gewisse berufliche Probleme aufwerfen). Jedweder Kraftverkehr (bei Dir schon fast witzlos)…

    Coole Geschichte. Bin ja mal gespannt!

    • Sebastian

      Eine Art des „Internet-Fastens“ wäre wohl tatsächlich die größte Herausforderung. Ich überlege mir noch, wie ich das klar definieren könnte: z.B. einen Monat das Smartphone gegen ein Uralt-Handy tauschen. Andererseits möchte ich auch mal eine positive Challenge bestreiten. Also kein Verzicht, sondern etwas machen, das ich sonst nicht tue. Vielleicht jeden Morgen früh aus den Federn. Oder täglich etwas lesen. Oder jeden Tag ein Foto machen, mit dem ich glücklich bin. Mal sehen. Die Möglichkeiten sind vielfältig … außer im Bereich der Bewegung, da hast Du Recht.

      • „Andererseits möchte ich auch mal eine positive Challenge bestreiten“ – ein guter Ansatz.

        Ich versuche das mit Meditation. Entspannt ungemein, aber erfordert auch, dass man extrem diszipliniert ist.

        Zudem habe ich angefangen unnützen Ballast abzuwerfen. Heißt, dass ich Dinge entsorge, verschenke, spende oder verkaufe, die ich nicht mehr brauche. An jedem Tag im Jahr einen Gegenstand. Im Januar war ich dann aber so motiviert, dass ich derzeit nichts zum „ENTRÜMPELN“ finde.

        Ich bin auf Deine nächsten Challenges gespannt! 🙂

        • Sebastian

          Reduktion aufs Wesentliche – finde ich gut. Ich taste mich jetzt erst Mal mit ganz konkreten Herausforderungen ran. Wenn das gut funktioniert, kann das Ganze auch abstrakter werden. Ich würde z.B. schrecklich gerne früher aufstehen und (m)eine persönliche Morgenroutine á la My miracle morning etablieren. Aber im Grunde meines Wesens bin ich leider ein fauler Sack. 🙂

          • Ich bin geprägt von 12 Jahren Schichtdienst, die ich zum Glück jetzt nicht mehr habe. Allerdings war die Zeit prägend und ich bin, wenn ich die Zeit dafür habe, morgens einfach am effektivsten, wenn es um das Erledigen irgendwelche Dinge geht. Danke für den Buchtipp. Das Buch war mir bislang vollkommen unbekannt. 🙂

          • Sebastian

            Ich habe zwar noch nie im Schichtdienst gearbeitet, aber auch ich bin morgens viel motivierter, energetischer, positiver als abends. Aber leider nutze ich den Zustand nicht. Zu dem Buch bin ich über Tim Ferriss gekommen. In den USA ist die „mourning routine“ mittlerweile anscheinend ein heißes Thema und wer was auf sich hält, der hat eine. 🙂

  3. Wirklich spannend. Völlig wertungsfrei finde ich, dass das auch was spirituelles hat (bin sonst eher nicht der Typ für spirituelles).

    Andererseits wollen wir ja auch gerne mal was anders machen. Ich finde es toll, so ein Vorhaben zu verfolgen. Ich weiß gar nicht was mich daran hindern würde.
    Es gibt so viele Dinge, denen wir uns unterwerfen und die wir akzeptieren – und für 4-5 Wochen mal auszubrechen kann für Erleuchtung sorgen, wenn man danach wieder in den Normalmodus zurückkehrt.

    Die Alkohol Challenge wäre für mich kein großes Ding gewesen (also in allen anderen Monaten als den Januar, denn da hab ich mich ausnahmsweise mal kräftig betrunken), aber die Fleisch-Challenge … puh. Es gibt viele Dinge die ich echt gerne esse.

    Viel Erfolg beim austricksen des Gehirns auf jeden Fall.

    • Sebastian

      Ich bin auch alles andere als spirituell. Aber ich merke auch, dass ich zum Gewohnheitstier werde. Eine Challenge ist perfekt, um seine Verhaltensweise zu prüfen, zu hinterfragen und evtl. dauerhaft zu ändern. Leider muss ich gestehen, dass ich wirklich gerne (und wahrscheinlich zu viel Alkohol) konsumiere. Deswegen dachte ich, dass der Januar hart wird. War er aber nicht. Kein Fleisch zu essen scheint hingegen (nach drei Tagen) eher eine organisatorische als eine mentale Herausforderung zu werden.

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