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Marcothon und andere Herausforderungen.

Als wäre das tägliche Aufstehen nicht schon Herausforderung genug, suchen sich viele Menschen zusätzliche Challenges – auch ich gehöre dazu.

Nachdem ich mich im November so gar nicht mit der Dunkelheit anfreunden konnte, standen am Monatsende trotz der läuferfreundlichen Witterung magere acht Läufe zu Buche. Pünktlich zum Monatsende stolperte ich in meiner Twitter-Timeline über den Hashtag #marcothon. Eine läuferische Herausforderung mit einfachen Regeln: Gelaufen wird im Dezember täglich. Mindestens 3 Meilen oder 25 Minuten. Ich hielt das für die ideale Motivationshilfe für mich und erzählte möglichst vielen Personen, dass ich mitmache, um den Leidensdruck zu erhöhen.

Gut vier Wochen später lief ich am Silvestermorgen nach einer zweistündige Runde über die imaginäre Marcothon-Ziellinie. Die 31 Läufe bis dahin addierten sich zu ca. 350 Kilometern mit knapp 8.000 Höhenmetern. Die eigentliche Überraschung: Es war überhaupt kein Problem. Ich musste mich nicht überwinden, nicht zwingen, nicht quälen. Auch in den letzten Dezembertagen sehnte ich keinen Ruhetag herbei. Im Gegenteil: Am Neujahrstag freute ich mich mehr auf eine Runde im Nebel als auf einen Ruhetag nach 31 Tagen Dauerlauf.

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Während des Streaks fühlte ich mich stets gut: Keine morgendlichen Beschwerden beim Aufstehen, keine Überlastungserscheinungen. Selbst als ich am 30.12. derbe verkatert ein Minimalprogramm abspulte, fühlte ich mich an schließend besser.

Der Druck, dem ich mich durch den Marcothon freiwillig ausgesetzt habe, hat auch für ein anderes Denkweise beim Laufen gesorgt: Die Frage „Laufe ich heute oder nicht?“ wurde ersetzt durch „Wann ich laufe ich heute?“ Ich lief wie üblich nach der Arbeit, aber auch vor der Arbeit und zur Arbeit. Während ich normalerweise mindestens 10 Kilometer laufe, gab es im Dezember auch mal „Mini-Marcos“, wie ich es nannte: Bei Zeitmangel versuchte ich möglichst zügig, fünf Kilometer abzureißen. Und das geht irgendwie immer.

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Mir hat der Marcothon eine Menge Spaß gebracht. Und dank der Challenge habe ich noch mein Jahresziel von 2.500 Kilometern recht souverän geschafft. Natürlich spielte mir der milde Winter voll in die Karten, aber ich bin gewillt, es auch 2016 zu versuchen – dann gerne mit Eis und Schnee.

„You can do anything for thirty days“
Grundsätzlich hat mir die Challenge so viel Freude bereitet, dass ich ernsthaft überlege, mich 2016 monatlichen Herausforderungen zu stellen. Die ersten 11 Tage des Januars sind jedenfalls schon mal alkoholfrei. Was erstaunlicherweise (für mich) viel einfacher ist, als abends ein Bier zu trinken, das zweite aber im Kühlschrank stehen zu lassen. Einen fleischlosen Monat wie es Sascha gerade macht, könnte ich mir auch sehr gut vorstellen. Einen Monat ohne Zucker, wie von bevegt vorgeschlagen? Warum nicht. 30 Tage ohne Gluten? Oder einfach mal auf Convenience-Produkte verzichten? Alles machbar. Und wenn Ihr 30 Tage gar nichts von mir lest, dann habe ich mich entweder im Wald verlaufen oder ich verzichte einen Monat lang auf Twitter. Denn: „You can do anything for thirty days!“ Das Zitat stammt von Matt Cutts, einem Googletypen, der diese 30-tägigen Herausforderungen regelmäßig bestreitet. In seinem Blog findet man auch weitere Anregungen, falls man nach einer echten Challenge sucht.

Im Gegensatz zu guten Vorsätzen für ein ganzen Jahr, hat man bei 30-Day-Challenge gute Chancen, sie bis zum Ende erfolgreich durchzuziehen. Und wer weiß: Vielleicht sind ja einige Dinge dabei, die man anschließend komplett übernimmt. Und verdammt: jetzt habe ich doch Durst auf ein Bier.

  1. Glückwunsch zum lockeren 350km Streak – ich finde das trotzdem schon eine Ansage.

    So eine 30-Tage ohne Challenge ist sehr interessant und leichter umzusetzen als viele andere Dinge, vor allem wenn es um den generellen Verzicht geht. Genereller Verzicht heisst das Thema verschwindet aus dem Kopf, Mäßigung heisst ständig mit gegen seine Gewohnheiten zu arbeiten.

    Der Vorteil ist – so geht es mir – wenn ich 3-4 Wochen etwas tue reicht das meist aus um eine Gewohnheit aus dem Nicht-Tun aufzubauen, auch wenn die sich irgendwann wieder abnutzt, aber auch Dinge nicht zu tun ist für mich eine Gewohnheit.

    • Sebastian

      Vielen Dank. Grundsätzlich finde ich eine „Mach-Challenge“ schöner als eine „Verzicht-Challenge“, wobei letzteres im Zweifelsfall wahrscheinlich härter ist. Aber Du hast genau den Punkt getroffen: Das Thema verschwindet aus dem Kopf, wenn man ganz auf etwas verzichtet. Man muss die Entscheidung nur einmal treffen und sich dann danach richten. Bei Mäßigung muss ich mich ständig entscheiden und disziplinieren. Außerdem gibt es beim Verzicht nur schwarz oder weiß: Versagen oder durchhalten. Bei der Mäßigung gibt es dagegen viel zu viele Grauschattierungen.

  2. 30 day challenge – eine Klasse Idee. Jetzt mache ich erst einmal meinen alkoholfreien Januar fertig und dann suche ich mir die nächste Herausforderung.
    Mir geht es übrigens auch so, dass der totale Verzicht einfacher ist als „weniger“. Das war auch beim Fasten so.

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