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N(ikon) +1.

Ich habe diesen Blog Anfang 2014 unter dem Leitthema „Fotografie“ gestartet. Davon ist leider nicht mehr allzu viel übrig geblieben, nachdem die Lauferei nicht nur zunehmend Freizeit, sondern auch Content für sich reserviert hat. Und nun besteht meine „Leserschaft“ (die ich wahrscheinlich überwiegend persönlich kenne) aus Läufern (überwiegend) und Fotografen (wenn noch welche mitlesen). Doch was ist der kleinste gemeinsame Nenner dieses heterogenen Personenkreises?

Na klar: Material. Bei den Läufern hält es sich noch in Grenzen, bei Radfahrern wird es schon schlimmer; da heißt es, die optimale Anzahl der Räder sei N+1. Und Fotografen haben sogar ein Akronym dafür: G.A.S. – Gear Acquisition Syndrome. Zum Glück bin ich relativ immun dagegen – egal in welchem Hobby. Aber hin und wieder packt es mich dann doch.

An meinem grundlegenden Foto-Setup hat sich schon ewig nichts mehr getan: D600, 28-75, 2.8 und 70-200, 2.8, beide von Tamron plus das 50, 1.8 von Nikon bestücken meine Kameratasche. Klar, ich hätte auch gerne das 35er von Sigma. Aber gut 700 Euro für ein Objektiv mit dem ich wahrscheinlich auch keine bessere Bilder mache?

In letzter Zeit hat sich dennoch der Wunsch konkretisiert, eine „Immer-dabei-Kamera“ zu besitzen. Da ich seit August mitten in der City arbeite und einen wirklich attraktiven Arbeitsweg habe, möchte ich mehr „Street“ fotografieren. Wie habe ich das noch vor ein paar Jahren gehasst. Streetfotografie war für mich beliebig, austauschbar und keinesfalls künstlerisch. Doch dann belehrten mich Fotografen wie Thomas Leuthardt und Marius Vieth eines besseren.

Leuten in der Stadt die Kamera möglichst nah vor die Fresse zu halten und abzudrücken mag gut fürs Ego sein, ist aber für mich nach wie vor keine Kunstform. Es geht für mich mehr darum den viel zitierten Puls einer Stadt festzuhalten. Und den der Menschen, die in der Stadt leben.

Doch zurück zum G.A.S.: Vor vier Jahren fuhr Nikon eine große Werbekampagne, um ein neues Produkt einzuführen. Dieses Produkt war die Nikon 1. Eine Systemkamera mit kleinem Sensor und wechselbaren Objektiven. Damit war Nikon mal wieder weitaus langsamer als die Konkurrenz und das Ergebnis war relativ bescheiden. Kleiner Sensor, „nur“ 10 Megapixel und ein Preis jenseits der 600 Euro: Nee, lass mal. Aber schon damals fand ich, dass die Nikon 1 extrem gut aussieht.

Und als ich neulich mal wieder nach kleinen Kameras scannte, stellte ich fest, dass die 1er mittlerweile mit dem 10-30er Kitobjektiv für ca. 160 Euro verkauft wird. Was ein Wahnsinn.
Und was soll ich sagen: Ich habe jetzt auch eine 🙂

Die Kamera ist ein echter Augenschmaus. Klare Linien, kein Schnickschnack. Die Jackentaschenkompatibilität ist zwar grenzwertig, aber Winterjacken sind in dieser Beziehung ja dankbar. Das Bedienkonzept der Nikon 1 ist eher an die kleinen Kompakten angelehnt als an die DSLRs: Für fast alle Einstellungen muss man über das Menü navigieren, Direktwahltasten sucht man vergebens. Aber: Das Ding schießt RAW, kann bis ISO 3200 (und tut dabei nicht in den Augen weh), ist schnell und verfügt neben dem Display über einen elektronischen Sucher.

Aber scheiß auf ISO und Megapixel. Wie macht sich das Teil in der Praxis? Sagen wir es so: Wir beschnuppern uns noch. Während ich an meiner D600 mittlerweile sämtliche Funktionen blind beherrsche, ist es mit der Nikon 1 noch etwas mühsam. Aber trotzdem sind in der letzten Woche einige Aufnahmen entstanden, die ich für zeigenswert halte. Die beste Kamera ist eben doch die, die man dabei hat.

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Was soll ich sagen? Die Nikon 1 sieht nicht nur gut aus, sondern sie liefert auch. Und das trotz des kleinen Sensors auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Und, ja: Ich mag Treppen.

Das Problem bei Systemen mit Wechselobjektiven: Man schielt auf die anderen Linsen. Das 10-30er entspricht dank des Cropfaktors von 2.7 einem Standard-Weitwinkel-Zoom. Das gilt auch für die Lichtstärke von 3.5 bis 5.6. Eine sichere Investition scheint das 18,5/1.8 zu sein. Entspricht 50 Millimeter im Kleinbild-Format und kostet gebraucht weniger als 100 Euro. Und da ist da noch der heilige Gral der CX-Format-Linsen: Das 32/1.2, ein Äquivalent zur klassischen 85er Brennweite am Kleinbildformat. Das Problem: Das Ding kostet genauso viel wie das am Anfang des Beitrags erwähnte 35er für das FX-Format. Und irgendwie investiert man die Summe dann doch lieber für einen 1.000 Euro teuren Body als für einen, der ein Zehntel davon gekostet hat. Oder? ODER?

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  1. Downsizing scheint der neue Trend zu sein. Und ja, die beste Kamera ist die, die man(n) dabei hat. Wobei ich hier das iPhone nicht ausschließen möchte – aber auch nicht unbedingt einschließen.
    Ich war mutiger und habe meine D600 bis auf das 50er und das 85er komplett kastriert und bin statt dessen stark ins M43-Lager eingestiegen. Inzwischen sogar 2 Kameras, eine davon, die GM5 ähnlich der Nikon 1. EVIL. Ohne EV gäbe es für mich keine Kamera. Vielleicht ist das der (mein) Unterscheid zum iPhone.
    Mehr Zeit habe ich trotzdem nicht.
    Dir weiterhin viel Spaß – und ja: Ich bin einer der nicht-Läufer der trotzdem mitliest und sich über alle Artikel freut. Laufende – und bebilderte. 😉

    • Mit dem iPhone fotografiere ich natürlich auch recht viel. Instagram hat einen großen Anteil daran, dass ich wieder mehr damit mache. Aber jetzt im Winter und mit wenig Licht ist mein 4s nahezu unbrauchbar. Ansonsten ist die N1 jetzt mein treuer Begleiter. Es sei denn, ich gehe abends laufen: Dann ist auch sie zu groß.

      P.S. Schön, dass Du als Nicht-Läufer mitliest. ich werde mir Mühe geben, den Content ausgewogen zu gestalten. 🙂

  2. Allein schon für den Titel hast Du den Blog-Nobelpreis verdient 😉

    Mit etwas Wehmut denke ich zurück an meine D70 mit dem riesigen (!) Objektivpark den ich damals hatte (mit dem 70-200 2.8 Flaggschiff), welchen ich dann aber dem Nachwuchs – und wenn ich ehrlich bin meiner schiwindenden Zeit – geopfert habe.

    Das hieß Downsizing, also wenigstens vom Umfang her. Der Ersatz – die Fuji X100 habe ich doch einige Zeit immer dabei gehabt. Ich liebe die Kamera, sie hat ein wunderbares Bokeh und eine Farbwiedergabe zum anbeissen, aber leider ist sie eben auch klein und als Fixfokus muss man sich zwar fotografisch anstrengen aber eben mal schnell geht nicht.

    Somit liegt das Kleinod seit über einem Jahr fast unbenutzt in der Schublade, wenn ich fotografiere dann mit der ersten Generation der Sony RX100. Ich mache damit keine besseren oder schlechteren Bilder als damals mit der DSLR, aber ich mache überhaupt welche … und jedes mal wenn ich dann ein schönes Bild in Lightroom betrachte frage ich mich… brauche ich die X100 … aber hergeben? Was ist eigentlich das Gegenteil des G.A.S.???

    Ich kann dich gut verstehen (von dem günstigen Preis mal angesehen) – kleiner ist häufiger dabei ist besser. Aber letztlich betrügt man sich dann ganz oft selbst, in dem man die „man könnte ja Kamera“ Zuhause liegen lässt und die „geht doch eigentlich ganz gut Kamera“ dabei hat.

    • Das habe ich auch festgestellt: Die Kamera muss funktionieren. Und das meine ich nicht im mechanisch-elektronischem Sinne. Du musst sie in die Hand nehmen können und die Bilder machen, die du machen willst. Ist das zu kompliziert oder aus einem anderen Grund zu unkomfortabel, macht man es einfach nicht. Und mittlerweile sind die Kameras so weit entwickelt, dass man beim Kauf eigentlich nur den Komfort in den Vordergrund stellen sollte.

      Die D600 nehme ich regelmäßig mit. Dann ganz bewusst und auch gerne mal mit dem Telemonster vorne dran. 2,5 Kilo Kamera machen halt doch die besten Bilder. 🙂

  3. Hey!

    Ich muss ja zugeben, dass ich (insgesamt) ein bisschen schlampig im Mitlesen aller ‚meiner‘ Blogs geworden bin. Zur Zeit ändert sich das wohl wieder und auch die Lust auf Fotografie nimmt wieder zu. Schau’mer’mal.

    Wie auch bei Dir geht das mit leichte Anflügen von GAS einher und ich spekuliere auch mächtig auf eine Jackentaschenkamera mit (!) Sucher. Auch die V1 hatte ich schon im Visier aber so richtig treiben mich die RX100III (mini aber maxi Preis) und die LX100 (maxi aber super Bedienkonzept) um. Um das Bedürfnis zu dämpfen, habe ich meiner alten SX200 (mini Canon Hosentaschensuperzoom) einen neuen Akku und meiner NX300 (maxi Samsung Bildqualitätsspaßdings) einen schnuckligen optischen Aufstecksucher von Zeiss verpasst.

    Straßenfotografie: Ja, ich hab mich da ja auch schon ein paar mal angeschlichen. Mit ähnlichen Gedanken zum Für und Wider. Und ich werd’s wohl auch wieder tun. Mich reizt einfach das Subjektive, das Stadt-Räumliche, Flüchtige, das Diffuse. Vielleicht sollten wir mal zusammen spazieren gehen 😉 .

    Schöne Treppen hast Du da…

    • Das gute ist ja: Bei unserer Posting-Frequenz verpasst man nicht viel, falls man mal ein paar Wochen nicht vorbeischaut. 🙂

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