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Wie läuft’s? Geht so.

Was für ein tolles Laufjahr: Die ersten Ultratrails. Ich bin so lange, so weit und so hoch wie noch nie gelaufen. Und dennoch fühlt es sich irgendwie nicht gut an.

Ich bin mir gar nicht sicher, woran es liegt. Vielleicht war es ein Fehler, den letzten großen Lauf des Jahres schon Anfang August zu absolvieren. Danach ging es irgendwie abwärts. Keine Motivation mehr, ein Umzug von der City aufs Land, Knieschmerzen, der Herbst, das Leben. Irgendwie hatte ich für ein paar Wochen den läuferischen Faden völlig verloren.

Mittlerweile bin ich wieder einigermaßen in der Spur und frage mich, wohin mich mein Weg im nächsten Jahr führen soll. Denn, so sehr ich die Distanzen jenseits der 42,195 Kilometer dieses Jahr auch genossen habe, so hab ich auch gemerkt, dass ich mich weder im Training noch im Wettkampf derart an meine Grenzen gebracht habe wie beim Marathon. Klingt komisch, ist aber so.

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Deswegen dachte ich neulich fast schon etwas wehmütig an den Herbst 2014 zurück, als mein Ziel darin bestand, beim Luzern Marathon meine Marathonbestzeit aus dem Jahr 2008 zu knacken. Dienstags war Intervalltag. Ihr kennt diese ganz fiesen Dinger: 4×4, 5×3, 3×5. Ekelhaft! Geil! Abends kam ich mit mehr als 20 Kilometern auf der Uhr nach Hause, duschte und pennte auf dem Sofa ein. Dieses wohlige Gefühl der Erschöpfung ging mir beim Training auf die Ultratrails etwas ab. Mit der Gewissheit, dass ich in Stuttgart ohnehin nicht simulieren kann, was mich im bayerischen Wald oder gar in den Alpen erwarten würde, habe ich mich einfach drauf verlassen, dass es irgendwie schon klappen wird. Und so war es ja auch. Ja, dieses Laufen ohne Druck ist etwas tolles. Aber, ich bin niemand, der sich von Trainingsplänen, Pulswerten und Schrittwerten verrückt machen lässt. Ganz im Gegenteil: Ich bin der, der morgens lieber im Bett liegen bleibt statt laufen zu gehen. Ich bin ein Anti-Trainingsweltmeister. „Schnell“ bin ich nur im Wettkampf.

In einer Zeitung, ich glaube, es war die Welt, habe ich vor ein paar Jahren mal einen Text über die Faszination des Ultralaufens gelesen. Darin stand ein Satz, den ich nicht vergessen habe: „100 Kilometer irgendwie zu laufen ist einfacher als einen Marathon in weniger als 3,5 Stunden zu schaffen.“ Damals dachte ich: Was für ein Schwachsinn. Heute denke ich ein wenig anders darüber. (Obwohl ich noch nie weiter als 63 Kilometer gelaufen bin, wohlgemerkt).

Denn, wenn mich jemand nach meiner größten läuferischen Leistung fragen würde (warum macht das eigentlich nie jemand?!), so wäre meine Antwort weder der UTLW noch der Zugspitz Supertrail in diesem Jahr, sondern eben jener Luzern-Marathon 2014 mit zwei Runden und 360 Höhenmetern, auf den ich mich so gewissenhaft wie selten vorbereitet habe und bei dem ich bis ins Ziel die geplante Pace durchhalten konnte.

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Da möchte ich wieder hin. Weder nach Luzern (obwohl: tolle Stadt!), noch auf die Straße. Aber ich möchte die Ernsthaftigkeit, mit der ich für den Luzern-Marathon trainiert habe, auf das Training für neue Trailwettbewerbe übertragen.

Aber wie geht’s konkret weiter? Mein Langzeitplan sah ja eigentlich vor, in diesem Jahr genug Qualifikationspunkte zu erlaufen, um zumindest die Chance zu haben, 2017 mit dem CCC meinen ersten Hunderter anzugehen. Aber nach dem Rechte-Shizzle habe ich weder die nötigen Punkte noch überhaupt Lust am Mont Blanc zu laufen. UTMB my ass.

Deswegen hatte ich meine 100k-Pläne für 2017 eigentlich auch schon komplett begraben. Bis dann in der letzten Woche die Patentante meines Sohnes bei ihrem ersten 100er das Taubertal in Schutt und Asche legte, ihre AK30 gewann und Gesamt-Vierte wurde. 100 Kilometer in 11 Stunden! So lange habe ich an der Zugspitze für 63 Kilometer gebraucht! Dabei ist es noch gar nicht so lange her (okay, es war 2010), dass ich sie auf ihrem ersten Halbmarathon begleitet habe. Ich glaube, das war die Motivationsspritze, die ich dringend brauchte.

Damit ist das Projekt für 2017 klar: Der Hunderter muss her. Ob an der Zugspitze oder woanders. Und das nach Möglichkeit bevor ich Ende August einen runden Geburtstag feiere. Ich brauche einfach wieder ein Ziel, das ich wirklich nur dann erreichen kann, wenn ich es ernsthaft angehe und keine bequemen Kompromisse eingehe.

Aber bevor es soweit ist, freue ich mich auf den Nikolauslauf in Tübingen und sogar ein wenig auf den Marcothon im Dezember. Und um mir selbst ein wenig Druck zu machen und gut über den Winter zu kommen, möchte ich dann doch mal in Rodgau starten. Denn ich habe gemerkt, dass ich meine Ziele möglichst laut rausposaunen muss, damit ich sie ernsthaft verfolge. Commitment is the key.

Als ich vor ein paar Monaten so richtig motiviert war, wollte ich sogar einen „echten“ Laufblog schreiben. Seitdem ruht er und wartet auf Inhalte. Ich hoffe, ich habe bald wieder genug zu schreiben, um das Ding mit Laufcontent zu füllen.

Achja: Die Bilder dieses Beitrags haben keinen Bezug zum Text, sondern zeigen meinen neuen Arbeitsweg. Nett, oder?

  1. Laufen/Joggen – Ja oder Nein. Ich bin da im Zwiespalt mit meiner Kondition und mir.
    Ich bin immer wieder beeindruckt, wenn ich deine Texte lese, wie viele Kilometer in wie vielen Stunden du packst. Das macht mich immer sehr neidisch, weil ich es nichtmal schaffe 5 Minuten am Stück zu joggen (Gehen geht natürlich, aber halt dieses „Spazieren gehen“)
    Ich freue mich deinen Weg hier weiterhin begleiten zu dürfen 🙂

    • Irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man bei zu wenig Bewegung übellaunig wird. Ab da wird es einfacher. 🙂

  2. Mal eine zeitlang antriebslos zu sein ist imho vollkommen ok – und man sollte dem auch nachgeben.
    Das gleiche gilt für die Ziele, mal Lust auf eine neue Distanz und mal auf eine neue Bestzeit bei M oder HM, geht mir genau so.
    Und bis zu meinem ersten Hunderter in diesem Jahr hätte ich auch unterschrieben, dass jeder Marathon härter war, als meine Ultras. Was bei mir auch schlicht daran lag, dass die letzteren immer auf ankommen gelaufen wurden und nie auf Tempo.
    Tatsächlich war ich aber noch nie so nah daran aufzugeben, wie bei besagtem Hunderter, was aber an der brutalen Hitze im August lag.

    • Sehe ich genauso. Ich laufe jetzt ja auch schon zehn Jahre. Da muss man sich neue Ziele suchen, damit man motiviert bleibt. Und ein paar Winter mit extrem wenigen Kilometer hatte ich auch. Und, auch, wenn das jetzt überheblich klingt: Dieser Zweifel, ob man es schaffen kann, ist mir irgendwie abhanden gekommen. Ich glaube, ich brauche wieder Ziele, an denen ich auch krachend scheitern kann. 🙂

  3. Ich halte es mal so:

    Run for Agony
    Run for Serenity
    RUN FOR CAKE!

    BTW: Wir müssen noch den Beat the Blerch-Lauf machen 😉

  4. Pingback: Lieblingsblogs Folge 37 - Coffee & Chainrings

  5. Cooler Beitrag…danke!

    Das mit der Motivation kenne ich auch und eigentlich ging es nach einer Pause (2-3 Wochen) immer wieder gut voran.

    Laufe einfach mit Leidenschaft, zwinge dich zu nix und habe Spaß…
    …dann ist das Training kein Problem und der 100er geht genauso super!

    Viele Grüße aus dem Berchtesgadener Land

    Steve

    • Das Problem: Wenn ich mich zu nix zwinge, mache ich einfach zu wenig. 🙂 Aber natürlich ist der Spaß an der Sache oberste Maxime.

  6. Bei den Trailultras ist die Zeit absolut zweitrangig. Vergleichbar sind sie eh nicht und wenn nicht grad einer der Laufkumpels dabei ist, mit denen man sich sonst immer misst, dann hat man am Ende eine Zeit, ohne Aussagekraft ist. Macht das Ganze entspannter, aber eben auch mehr zum Tourievent. Da ist ein Marathon schon ehrlicher oder gnadenloser – je nach Standpunkt. Die Motivation sich zu verausgaben auf jeden Fall viel höher.

    Nach langer Saison gönne ich mir jetzt gut zwei Wochen Offseason und freue mich dann mal wieder auf richtiges Training mit langen Läufen und so. Alles Dinge, die seit Juni zu kurz kamen. Irgendwie wechselte es bei mir ständig nur zwischen Erholung und Tapering. Die Formukurve geht da einfach nach unten, da kann man Wettkämpfe machen, was man möchte.

    In Rodgau möchte ich übrigens auch starten, war da vor zwei Jahren am Start und ist irgendwie ein super Start ins Jahr.

    • Danke für Deinen Kommentar. Ging mir ähnlich dieses Jahr. Ich glaube, ich habe im milden Januar jedes Wochenende einen Lauf jenseits der 30k gemacht. Aber seit Mai bin ich diese Distanz nur noch bei Wettbewerben gelaufen ;-). Aber wie Du sagst: Wenn man auf Ankommen läuft, muss man sich auch nicht groß um die Periodisierung des Trainings kümmern.

  7. Oh, ich kann das alles nachvollziehen. Gerade in dieser Jahreszeit wird es und allen etwas schwerer, obwohl wir doch sonst immer alle so top motiviert sind. Aber ich glaube diese „geistige Pause“ muss auch mal sein, wenn man danach wieder neue Ziele angeht und wieder in den Rhythmus findet. Gerade in meiner OffSeason merke ich oft, wie schnell ich mich daran gewöhne träge zu sein.

    Ich glaube, wenn Du erstmal wieder für ein Ziel trainierst und merkst das es wieder läuft, dann sind diese Gedanken auch wieder vergangen. So geht es mir derzeit auch, darum freue ich mich derzeit auf den Start des Trainingplanes für Rodgau2017 🙂

  8. Pingback: Marcothon: Commitment is the key! - RUNNING ROYAL

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